VisumHilfe Austria
Business & Selbstständigkeit

Einzelunternehmen gründen in Österreich

Die schnellste und günstigste Rechtsform — ideal für Solo-Selbstständige.

Detaillierter Leitfaden für Abonnent:innen

Dieser vollständige Leitfaden zu Einzelunternehmen gründen in Österreich ist Teil unseres Premium-Bereichs. Sie erhalten Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Checklisten, Gebührenübersichten, Behördenwege und Praxis-Tipps für Ausländer:innen.

Vollständige Gründungsschritte mit allen Behörden
Aktuelle Gebühren, Mindestkapital und Fristen
Checklisten und Musterformulare
Steuer- und Sozialversicherungshinweise

Kurzer Überblick:

Quick Facts
Mindestkapital0 €
Mindestens Gründer1
Haftungunbeschränkt persönlich
BuchführungEAR bis 700.000 €, dann doppelte Buchführung
BesteuerungEinkommensteuer (0–55 %)
Firmenbuchoptional ab 700.000 € Umsatz
Notarpflichtnein
Gründungsdauer1–3 d

Ein Einzelunternehmen ist die einfachste und kostengünstigste Rechtsform in Österreich. Sie haften persönlich mit Ihrem Privatvermögen, können aber sofort starten — ohne Stammkapital, ohne Notar.

Quick Facts
Mindestkapital0 €
Mindestens Gründer1
Haftungunbeschränkt persönlich
BuchführungEAR bis 700.000 €, dann doppelte Buchführung
BesteuerungEinkommensteuer (0–55 %)
Firmenbuchoptional ab 700.000 € Umsatz
Notarpflichtnein
Gründungsdauer1–3 d

Wann ist diese Form sinnvoll?

Das Einzelunternehmen passt, wenn Sie alleine starten, geringes Haftungsrisiko haben und nicht sofort große Investitionen brauchen. Klassische Beispiele: IT-Freelancer, Berater, Handwerker (mit Befähigungsnachweis), Online-Händler im kleinen Maßstab.

Nicht ideal, wenn Ihr Geschäft hohe Schadenersatzrisiken hat (z. B. Bauausführung, Beratung mit großen Vermögen) oder wenn Sie schnell mehrere Mitgesellschafter aufnehmen wollen.

Erforderliche Unterlagen

  • Reisepass oder Personalausweis
  • Meldezettel (Wohnsitzbestätigung in Österreich)
  • Gültiger Aufenthaltstitel mit Zugang zur selbständigen Erwerbstätigkeit (Drittstaatsangehörige)
  • Strafregisterauszug aus dem Heimatland (max. 3 Monate alt, beglaubigt übersetzt)
  • Befähigungsnachweis bei reglementiertem Gewerbe (Meisterprüfung, Diplom, Praxiszeit)
  • Bei Bedarf: Mietvertrag oder Eigentumsnachweis für die Betriebsstätte

Gründungsschritte

  1. Gewerbe wählen: Prüfen, ob Ihr Gewerbe „frei" oder „reglementiert" ist (WKO Gewerbe-Kategorisierung).
  2. Anmeldung bei der Bezirkshauptmannschaft / dem Magistrat: entweder online über USP.gv.at oder persönlich, mit allen Unterlagen.
  3. Gewerbeschein erhalten: Bei freien Gewerben dürfen Sie ab dem Tag der Anmeldung tätig werden.
  4. Anmeldung bei der SVS (innerhalb eines Monats nach Gewerbeanmeldung).
  5. Steuerliche Erfassung beim Finanzamt mit Formular Verf 24 — Steuernummer wird vergeben.
  6. Optional UID-Nummer beantragen (Formular U 15) — nötig bei Umsatz > 35.000 € oder EU-Geschäften.
  7. Geschäftskonto eröffnen und Buchhaltung einrichten (FreeFinance, BMD, Bexio).
  8. Optional ins Firmenbuch eintragen lassen (Vorteile: Namensschutz, Möglichkeit der Bilanzierung).

Kosten

  • Gewerbeanmeldung: 0 €
  • WKO-Grundumlage: 50–250 € pro Jahr (je nach Fachgruppe)
  • Strafregisterauszug aus dem Heimatland: 5–50 €
  • Beglaubigte Übersetzungen: 30–80 € pro Seite
  • Optionale Firmenbuch-Eintragung: ca. 100–150 € + Notariatskosten
  • Buchhaltungssoftware: 0–25 € pro Monat

Realistische Gesamtgründungskosten ohne Berater: 50–500 €.

Steuer & Sozialversicherung

  • Einkommensteuer: progressiv 0–55 %, Freibetrag 12.816 € (2024).
  • Umsatzsteuer: standardmäßig 20 %; Kleinunternehmerregelung möglich bei Umsatz bis 35.000 € (ab 2025: 55.000 €).
  • SVS: ~26,8 % der Beitragsgrundlage (Pension, Kranken, Unfall, Selbständigenvorsorge), erste 3 Jahre vorläufig, dann nachverrechnet.
  • Kommunalsteuer: 3 % auf Löhne, falls Sie Mitarbeiter beschäftigen.
  • Buchführung: Einnahmen-Ausgaben-Rechnung (EAR) bis 700.000 € Umsatz; darüber doppelte Buchführung.
Vorteile
  • Keine Gründungskosten, kein Stammkapital
  • Sehr schnell startklar
  • Keine Bilanzpflicht (bis 700.000 €)
  • Volle Kontrolle und Gewinn allein
  • Kein Notar nötig
Nachteile
  • Volle persönliche Haftung mit Privatvermögen
  • Kein Steuerprivileg (keine Trennung Privat/Geschäft)
  • Schwieriger, Investoren oder Mitgesellschafter aufzunehmen
  • Bei Krankheit/Tod des Inhabers endet der Betrieb formal

Häufige Fehler

  • Verwechslung freies vs. reglementiertes Gewerbe — keine Befähigungsnachweise eingeholt.
  • SVS-Anmeldung vergessen — Nachzahlungen und Säumniszuschläge.
  • Keine Rücklagen für SVS-Nachverrechnungen im Jahr 3.
  • Privates und geschäftliches Konto vermischen — Buchhaltungs-Albtraum.
  • Kleinunternehmerregelung gewählt, obwohl Vorsteuerabzug günstiger wäre (z. B. bei großen Investitionen).

Quellen

Diese Website ist ein privates Informationsportal und stellt keine Rechtsberatung dar.