Aktiengesellschaft (AG) gründen in Österreich
Die kapitalmarktfähige Kapitalgesellschaft mit Aktien — höchste Strukturanforderungen, höchste Reputation.
Dieser vollständige Leitfaden zu Aktiengesellschaft (AG) gründen in Österreich ist Teil unseres Premium-Bereichs. Sie erhalten Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Checklisten, Gebührenübersichten, Behördenwege und Praxis-Tipps für Ausländer:innen.
Kurzer Überblick:
| Mindestkapital | 70.000 € |
| Mindestens Gründer | 1 |
| Haftung | auf Stammkapital beschränkt |
| Buchführung | Doppelte Buchführung (Bilanz) |
| Besteuerung | Körperschaftsteuer 23 % |
| Firmenbuch | pflicht |
| Notarpflicht | ja (Gründungsurkunde) |
| Gründungsdauer | 4–8 w |
Die Aktiengesellschaft (AG) ist die anspruchsvollste Kapitalgesellschaft Österreichs: 70.000 € Mindestgrundkapital, zwingender Aufsichtsrat, Vorstand und ein striktes aktienrechtliches Korsett. Geeignet für mittelständische Unternehmen mit Kapitalmarktambitionen.
| Mindestkapital | 70.000 € |
| Mindestens Gründer | 1 |
| Haftung | auf Stammkapital beschränkt |
| Buchführung | Doppelte Buchführung (Bilanz) |
| Besteuerung | Körperschaftsteuer 23 % |
| Firmenbuch | pflicht |
| Notarpflicht | ja (Gründungsurkunde) |
| Gründungsdauer | 4–8 w |
Wann ist diese Form sinnvoll?
Die AG ist die richtige Wahl, wenn Sie viele Aktionäre einbinden wollen, eine spätere Börsennotierung anstreben oder eine sehr formal getrennte Unternehmensführung benötigen. Typisch für Familienunternehmen, die in eine Holdingstruktur überführt werden, oder Reife-Stage-Unternehmen vor IPO.
Für die meisten Start-ups und KMU ist eine GmbH oder FlexKapG ausreichend — die AG bedeutet erheblichen Verwaltungsaufwand.
Erforderliche Unterlagen
- Reisepässe aller Gründer:innen
- Meldezettel
- Notarielle Satzung
- Bankbestätigung über Einzahlung des Grundkapitals (mind. 25 % der Bareinlagen, jedenfalls 17.500 €)
- Bestellung von Vorstand und Aufsichtsrat
- Gründungsprüfungsbericht (Wirtschaftsprüfer bei Sachgründung)
- Erklärung über Übernahme der Aktien
- Befähigungsnachweis bei reglementiertem Gewerbe
Gründungsschritte
- Satzung aufsetzen — notarielle Beurkundung erforderlich.
- Aktienzeichnung durch die Gründer.
- Bankkonto eröffnen und Grundkapital einzahlen (mind. 25 % der Bareinlagen).
- Vorstand bestellen (1+ Mitglieder), Aufsichtsrat bestellen (mind. 3 Mitglieder).
- Gründungsprüfung bei Sachgründung durch unabhängigen Prüfer.
- Firmenbuchanmeldung beim Landesgericht durch den Notar.
- Eintragung der AG — entsteht rechtlich erst mit Eintragung.
- Gewerbeanmeldung, Finanzamt, SVS, WiEReG wie bei der GmbH.
- Aktien ausgeben (Inhaber- oder Namensaktien) und Aktienbuch führen.
Kosten
- Notarkosten Satzung: 1.500–4.000 €
- Firmenbuch-Eintragungsgebühr: ca. 400 €
- Wirtschaftsprüfer (bei Sachgründung): 1.500–5.000 €
- Aufsichtsratsvergütungen: laufend (oft 2.000–10.000 € pro Mitglied/Jahr)
- Anwalt für Satzung & Geschäftsordnung: 2.000–10.000 €
- Grundkapital: 70.000 €, davon mind. 17.500 € bar einzuzahlen
Realistische Gründungskosten: 4.000–20.000 €.
Steuer & Sozialversicherung
- KöSt: 23 % auf Gewinn.
- Mindest-KöSt: 1.250 € pro Quartal (5.000 € pro Jahr) — höher als bei der GmbH.
- KESt auf Dividenden: 27,5 %.
- USt: 20 % Standard.
- Buchführungs- und Offenlegungspflichten wie GmbH, jedoch zusätzlich Bilanz nach Größenklassen, Konzernabschluss bei Beteiligungen.
- Pflichtprüfung des Jahresabschlusses durch Wirtschaftsprüfer (bei mittelgroßer und großer AG).
- Beschränkte Haftung der Aktionäre
- Aktien können einfach übertragen werden
- Hohe Reputation, oft bessere Finanzierungskonditionen
- Klare Trennung zwischen Eigentum (Aktionäre) und Führung (Vorstand)
- Vorbereitung auf Börsennotierung möglich
- Hoher Mindestkapitalbedarf
- Strikte Corporate-Governance-Regeln
- Pflicht-Aufsichtsrat (mindestens 3 Personen)
- Mindest-KöSt 5.000 € pro Jahr
- Hohe laufende Verwaltungs- und Prüfungskosten
Häufige Fehler
- Aufsichtsrat unterbesetzt — Beschlüsse formal nichtig.
- Sachgründung ohne korrekten Gründungsprüfungsbericht.
- Aktienbuch nicht ordnungsgemäß geführt.
- Vorstandssitzungen ohne Protokoll — Haftungsfalle.
- Mindest-KöSt von 5.000 € pro Jahr wird unterschätzt.
Quellen
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